Ernähren Sie sich salzlos!

Geschichten aus meinem Leben mit Multiple Sklerose

So lautet der Titel meines Buches, das im August 2009 im Mabuse-Verlag erscheint. Es ist meine Auseinandersetzung mit dem langsamen Verfall meines Körpers.

Wobei wir da gleich bei einem Punkt sind, der für viele Menschen, die dem Takt der modernen Gesellschaft nicht folgen können oder wollen, von eminenter Wichtigkeit ist. Menschen, die über zu wenig Zeit klagen, kann man überall beobachten. Das G8 Abitur trichtert bereits unseren Kindern ein, dass sie keine Zeit haben.

Ich meine, es gibt Zeit im Überfluss. Man hat nur dann keine Zeit, wenn man Zeit für Dinge opfert, die man eigentlich nicht machen möchte. Für viele ist dies zum Beispiel die Arbeit. Trotzdem machen sie Überstunden, um die gesellschaftlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Sie sitzen sehr lange im Auto oder Zug, um die Arbeitsstelle zu erreichen. Andere sitzen in Flugzeugen und nehmen für ihre gesellschaftliche Stellung und die Möglichkeit, Macht auszuüben und unbegrenzt konsumieren zu können, in Kauf, dass sie die unnützen Zeiten eigentlich hassen. Unnütz! Zeit kann ja nicht unnütz sein. Schaut man sich die guten Vorsätze fürs neue Jahr an, ist die Phrase „Hauptsache gesund!“ eine der am häufigsten gehörte. Wie weit ist es mit diesem Wunsch her, wenn die gleichen Menschen nach 30 Minuten Wartezeit beim Arzt in Raserei verfallen?

Deshalb sollte mein Buch in keiner chronologischen Abfolge erzählen. Man kann jede Geschichte für sich lesen und den Zusammenhang mit dem Gesundheitszustand selbst ergründen. Wann was passiert ist, spielt keine Rolle. Meine Zeit verläuft sowieso anders, als die Zeit der LeserInnen. Wie es der Ultrakurzzeitphysiker Karl-Heinz Pantke in seinem Buch „Locked-in. Gefangen im eigenen Körper“ beschreibt, hat Zeit in der gemessenen, physikalisch erfassten Art keinen Platz mehr im Leben. Die Uhr tickt einfach anders, wenn das Aufstehen und Waschen morgens die Zeit eines Minijobs in Anspruch nimmt.

Das ist der große Unterschied zwischen dem Behinderten und dem Gesunden. Dass der Behinderte nicht laufen kann, nicht sehen kann, andere motorische oder taktile Fähigkeiten eingeschränkt sind, ist nicht das eigentliche Problem, sondern die Zeit, in der er es kann, macht den „Homotempus“ wahnsinnig. Dem Betroffenen beschert es einen Kampf um Geschwindigkeit, den er nicht gewinnen kann.


„Ernähren Sie sich salzlos!“

Geschichten aus meinem Leben
mit Multipler Sklerose

15,90 Euro

Hier gehts zum Rolli-Kurt Shop.

 

Hier sind zwei ausgewählte Geschichten zur Probe:

 

Spaziergang mit Folgen

Spaziergang mit Folgen (19,5 KiB)

Das erste Mal mit der Deutschen Bahn

Das erste Mal mit der Deutschen Bahn (24,3 KiB)